Chronologie der Ereignisse - ein Jahr im Landkreis Neustadt / Aisch - Bad Windsheim
- 14. Oktober 2006: Die NPD verteilt in der Neustädter Wilhelmstraße Flugblätter
- IV. Quartal 2006: Die NPD führt in Neustadt an der Realschule und am Gymnasium sog. "Schulhof-Aktionen" durch (Hauptschule?). Kommentar der Schulleitung (Realschule): „Rechtlich nicht zu beanstanden"
- 15. Dez. 2006: Der NPD-Kreisverband Fürth - Neustadt / A. kündigt im Internet nach seiner „Julfeier“ an, noch im Januar in Neustadt einen Ortsverband zu gründen.
- 10. Januar 2007: SPD-Kreisverband erhält die Information über die geplante NPD-Ortsverbands-Gründung.
- 11. Januar 2007: SPD-Ortsverein Neustadt informiert Vertreter aller anderen demokratischen Parteien über die geplante NPD-Ortsverbands-Gründung.
- 13. Januar 2007: Gründung eines NPD-Stützpunktes in Neustadt / Aisch im Gasthaus „Schützengarten“. Unter anderem mit einem rechtsextremen Liedermacher aus der Region...
- 14. Januar 2007: SPD-Ortsverein Neustadt erhält die Information über die erfolgte Stützpunkt-Gründung. Noch ist das lokale Führungspersonal der NPD nicht bekannt.
- 15./16. Jan. 2007: SPD-Kreisverband und Ortsverein Neustadt laden parallel alle demokratischen Gruppierungen und interessierten Bürger zur Gründung eines „Bündnisses gegen Rechts“ ein.
- 16. Januar 2007: FLZ berichtet über „Kameradin Jasmin“. Die FLZ Lokalredaktion hat recherchiert und gibt die Identität der NPD-Stützpunktleiterin Jasmin Oleszak aus Rockenbach (Ortsteil von Gutenstetten) bekannt. Es wird bekannt, dass diese bereits vor einiger Zeit versuchte, im Gutenstetter Raum NPD-Veranstaltungen in Gasthäusern durchzuführen, was zu Auseinandersetzungen mit den dortigen Gemeinderäten führte.
- 22. Januar 2007: SPD-Ortsverein Neustadt erhält über die Presse die Information, die NPD werde am 27. Januar in Neustadt einen Infostand organisieren. Alle demokratischen Kräfte werden zu einem „Protest-Stand“ eingeladen, der über den SPD-Kreisverband organisiert wird.
- 27. Januar 2007: NPD-Infostand in der Wilhelmstraße in Neustadt. Ca. 7-8 Rechtsextreme verteilen von 9-12 Uhr in der Wilhelmstraße Flugblätter, "Schulhof-CD‘s" und weiteres Propaganda-Material. Der SPD-Kreisverband hat einen Protest-Stand unter dem Motto „Bunt statt braun“ organisiert, an dem die Passanten das NPD-Material gleich in einer bunten Mülltonne entsorgen können und dafür bunte Blumen erhalten. Vertreter von Grünen, CSU, FWG, Jugendbeirat, die Gärtnerei Dornauer und zahlreiche Bürgerinnen und Bürger unterstützen die bunte Protest-Aktion. Fazit: Es dürfte kaum ein Flugblatt der Rechtsextremen seinen Bestimmungsort - die Mülltonne - verfehlt haben.
- 29. Januar 2007: Auftakt zum „Bündnis für Toleranz und Menschenwürde“. Über 50 Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter zahlreicher sozial engagierter Organisationen folgten der Einladung der SPD zum Bündnis. Vertreter aller demokratischen Parteien nahmen an der Veranstaltung teil, jedoch ließen der CSU-MdB Christian Schmidt und CSU-MdL Hans Herold in einem Schreiben mitteilen, dass man doch „ein paar Rechten“ kein Podium bieten solle und sie lokale Bündnisse generell für ungeeignet hielten, um gegen Rechtsextremisten vorzugehen. Sie teilten daher mit, sie würden sich an einer solchen Initiative nicht beteiligen. Auch der anwesende CSU-Bezirksrat Dr. Matthias Krause äußerte sich dahin gehend, es gebe doch „nur einen Nazi in Neustadt“ und der werde „von der Polizei beobachtet“. Als jedoch ein halbes Dutzend Rechtsextreme, darunter „Stützpunktleiterin Kameradin Jasmin“ an der Tür des Veranstaltungsraums klopften und Einlass verlangten, musste auch er einsehen, dass seine Einschätzung wohl weitab der Realität war.
- Februar 2007: Die Organisatorin der „Bündnis-Veranstaltung“, SPD-Kreisvorsitzende Edith Bayersdorfer, erhält regelmäßig anonyme Anrufe, vermutlich von lokalen Rechtsextremen.
- Februar 2007: Der NPD-Kreisverband Fürth / Neustadt / A. beschimpft die Teilnehmer am Protest-Infostand vom 27. Januar 2007: „Außer einiger SPD-Aktivisten standen noch einige vollgesoffene linke Jugendliche planlos in der Gegend rum, die wohl mehr Interesse am Trinken von Bier hatten, als sich politisch zu betätigen.“ Anmerkung am Rande: Den Tee am Infostand der Demokraten hatte u.a. die ebenfalls anwesende CSU-Bürgermeisterin Claudia Platzöder spendiert...!
- 02. März 2007: Der Stv. Vorsitzende des Neustädter Jugendbeirats wird beim Verteilen von Flyern für eine „Rock gegen Rechts“-Veranstaltung des Jugendtreffs von Rechtsextremen angegriffen und zusammengeschlagen.
- 03. März 2007: Rechtsextreme ziehen Parolen grölend („Steckt Hitler einen Orden an“, „Vergast die Juden“) durch die Neustädter Straßen. Die Polizei wird informiert, ob diese eingreift ist nicht bekannt.
- 04. März 2007: Die Verwüstung des jüdischen Friedhofs in Diespeck wird bekannt.
- 05. März 2007: Die FLZ und zahlreiche weitere Zeitungen berichten über die Schändung des Friedhof. Noch sind die Täter nicht bekannt, jedoch liegt der Schluss, dass es sich um Rechtsextreme handelt, nahe.
- 06. März 2007: Der SPD-Ortsverein Neustadt bietet dem Heimatverein für Kultur und Geschichte in Diespeck seine Mithilfe bei der Sicherung und Wiedererrichtung der Grabsteine an.
- 08. März 2007: Die NN berichtet, die Täter der Friedhofs-Zerstörung seien gefasst worden. Es handle sich um zwei 17 / 18jährige aus Bad Windsheim und Neustadt, die als rechtsextreme Aktivisten bekannt seien. Einer der beiden war bei den Hammer-Skins in Frankfurt (also tief in der rechten Szene!) untergetaucht. Auch viele weitere Zeitungen und die Lokalpresse berichten.
- Ebenfalls 08. März 2007: CSU-MdL Hans Herold fordert: „Ein breites Bündnis gegen Rechts ist möglicherweise angebracht. Alle Demokraten sollten nach außen deutlich machen und zeigen, dass sich die Bürger rechten Radikalismus und Provokation nicht gefallen lassen.“ (Man erinnere sich: Ziemlich genau einen Monat zuvor hatten wir ihn genau dazu eingeladen...!) MdL Herold ist natürlich zum nächsten Treffen des Bündnisses herzlich willkommen! Die Demokratie in unserem Land ist unser gemeinsames Gut, also sollten wir sie gemeinsam verteidigen!
- 09. März 2007: Die Relativierung der politischen Tat-Hintergründe beginnt. Es handle sich um perspektivlose Jugendliche mit schlechter Bildung aus zerrütteten Familien. „Intellektuell seien sie vermutlich nicht in der Lage zu begreifen, (...) was die Schändung eines Friedhofs für Juden bedeute.“ urteilt Polizeipräsident Raimund Swoboda. Einzeltäter seien sie, ohne politischen Hintergrund (nun, man taucht ja rein zufällig bei den Hammer-Skins unter, kann ja mal passieren...), aber mit einem Hang zu Friedhöfen und Leichen. Die Polizei betont, dass es nach ihren Erkenntnissen "keine organisierte rechtsextreme Szene im Landkreis Neustadt / Aisch – Bad Windsheim" gebe. Diese Aussage wird in den folgenden Tagen jedoch zumindest ansatzweise wieder zurückgenommen.
- 26. März 2007: Zweites Treffen des "Bündnisses für Toleranz und Menschenwürde". Diesmal ohne Störungen durch Rechtsextremisten, dafür sehr sachlich und produktiv.
- 28. März 2007: Es wird bekannt, dass die selben Rechtsextremisten, die für die Zerstörung des jüdischen Friedhofs in Diespeck verantwortlich sind, auch einen Brandanschlag auf ein vorwiegend von Ausländern bewohntes Haus in Bad Windsheim im vergangenen Herbst ausgeführt haben. Außerdem waren augenscheinlich noch weitere junge Rechtsextremisten aus dem Landkreis und der Region an der Tat beteiligt. Glücklicherweise wurde damals niemand verletzt. Die vier Rechtsextremisten sitzen zumindest vorläufig in Haft.
- 30. März 2007: "Rock gegen Rechts" im Neustädter Jugendtreff Lazarett. Die Veranstaltung verläuft glücklicherweise ohne Störungen durch Rechtsextreme.
- 27. April 2007: Beim zweiten "Rock gegen Rechts"-Konzert erhält der Neustädter Jugendtreff jedoch "Besuch" von ca. 10 Rechtsextremen. Da diese betrunkenen Krawallmacher jedoch erst kurz nach Ende des eigentlichen Konzerts eintreffen, kann der Leiter des Jugendtreffes ihnen den Zutritt verwehren und alarmiert die Polizei.
- 04. Mai 2007: Die Polizei behauptet in einem Zeitungsartikel der FLZ zum wiederholten Mal, es gebe in Neustadt bzw. im Landkreis keine oranisierte rechtsextreme Szene, sämtliche diesem Personenkreis zugeordneten Gewalt- und Straftaten gingen auf das Konto von Einzeltätern.
- 04. Mai 2007: Vor dem Neustädter Feuerwehrhaus am Leonhard-Bankel-Platz schlagen ca. 25 Rechtsextreme auf Punks bzw. Ausländer ein, die sich häufiger im nahe gelegenen Luitpold-Park treffen.
- 05. Mai 2007: Vor dem Neustädter E-Center greifen einige Rechtsextremisten mehrere Punks an und es kommt zu einer Prügelei, wobei einer der Punks am Kopf verletzt wird, ein anderes Opfer erleidet Knochenbrüche.
Zu diesen Vorfällen erreichten uns auch mehrere Hilferufe verzweifelter Eltern:
Gerade habe ich die Seite Vorsicht:Angriff von Rechts gelesen. Zu dem Thema Chronologie der Ereignisse kann ich noch was beitragen worüber ich mich sehr geärgert habe. (...) [Mein Sohn / meine Tochter und Freunde (Punks)] waren am Freitag 04.05. in NEA im Park beim Feuerwehrhaus als sie gegen 22.00 Uhr von einer Gruppe rechtsorientierter Jugendlicher beleidigt wurden. (...) [Sie] wollten den Park verlassen und wurden von den Rechten verfolgt und tätlich angegriffen. Mädchen wurden zu Boden geschubst, T-Shirts wurden zerrissen und es gab auch kleinere blutende Wunden. Einige Punks wehrten sich gegen die Angriffe, wobei einer der Rechten auch was abbekam.
Auf die von einem Passanten gerufene Polizei haben die Punks nicht mehr
gewartet und sind in Richtung Festplatz gelaufen. Bei der Firma Hartmann hat dann eine Polizeistreife die Gruppe Punks angehalten von allen die
Personalien aufgeschrieben und von drei Punks auch Fotos gemacht. Am Samstag haben wir dann erfahren dass die Rechten Anzeige wegen Körperverletzung gegen die Punks gestellt haben.
Am Samstag Abend wurden wiederum von der selben rechten Gruppe Punks angegriffen und geschlagen. Beide (...) mussten im Krankenhaus behandelt werden. Einer hat neben anderen Verletzungen einen gebrochenen Finger, der andere mehrere Schnittwunden im Gesicht. Am Sonntag Nachmittag haben wir Eltern der Geschädigten geschlossen mit unseren Kindern die PI in NEA aufgesucht um Anzeige gegen die rechten Jugendlichen zu erstatten. Wir waren ca. 18 Leute. Die Polizeibeamten haben von uns KEINE Anzeige aufgenommen und uns gebeten das Gebäude zu verlassen. Eine Mutter hat per Handy die Polizeidirektion in Nürnberg darüber informiert, worauf uns geraten wurde zu einer anderen Dienststelle zu gehen. Heute sind wir dann nach Bad Windsheim gefahren um dort unsere Anzeigen zu machen. Der Beamte war höflich und fragte telefonisch bei seinem Kollegen in NEA nach warum wir dort keine Anzeige machen konnten. Die Antwort des Beamten in NEA: "die waren zu laut". Leider konnten wir auch in Bad Windsheim keine Anzeige machen da der Fall in NEA bearbeitet wird. (...) Man könnte fast glauben, in NEA hat Rechts mehr Recht. (...) Weiteres öffentliches und gewaltfreies Vorgehen gegen die Rechten Strukturen im Landkreis werden wir für unsere Kinder tatkräftig unterstützen.
- 05. Mai 2007: Der Jugendtreff "Lazarett" erhält über die Internetseiten von "2concert" Drohungen von Rechtsextremisten: "euer ladn wird am 25.5 gestürmt", "ihr braucht euch gar net wundern wenn in eurer scheiß Zeckenzucht mal a Molli nei knallt und die Bude in Flammen steht und ihr alle erbärmlich VERECKT ihr p***** wartet ab. 88 Punkhunters-Nea" etc. Die Verfasser der Drohungen zeigen sich z.T. ungeniert mit Hitlergruß auf ihren Profilseiten in 2concert, unterzeichnen mit 88 oder Punkhunters und stammen ihren Profilen zufolge aus dem Landkreis. Der Leiter des Jugendtreffs erstattet Anzeige.
- 06. Mai 2007: Aus aktuellem Anlass organisiert die SPD mit dem "Bündnis für Toleranz und gegen Rechtsextremismus" einen Infostand beim Frühlingsfest und sammelt Unterschriften für die Einleitung eines neuen NPD-Verbotsverfahrens. An dem Infostand beteiligen sich auch Vertreter anderer demokratischer Parteien und des Jugendbeirats.
- 12. Mai 2007: Mitglieder des "Bündnisses für Toleranz und gegen Rechtsextremismus" organisieren auch beim "Fest der Begegnung" in Neustadt / Aisch einen Infostand und sammeln Unterschriften für ein neues NPD-Verbotsverfahren. Außerdem findet ein Treffen mit Eltern der am 04./05. Mai 2007 von Rechtsextremen angegriffenen Punks statt, um die Möglichkeiten zu besprechen, wie diese Anzeige gegen die Angreifer erstatten können.
- 23. Mai 2007: Drittes Treffen des "Bündnisses für Toleranz und gegen Rechtsextremismus". Bereits etwa eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung haben ca. 20 Rechtsextreme den Saal besetzt. Der Veranstaltungsleitung gelingt es mit Hilfe der Polizei nach ca. 45 Minuten, die Rechtsextremen unter Verweis auf eine zulässige Eingrenzung des Teilnehmerkreises bei einer Veranstaltung, zu der individuell eingeladen wurde, aus dem Saal zu verweisen. In der Versammlung berichten Eltern und Punks von den Angriffen der Rechtsextremen und der zurückhaltenden Aufklärung durch die Polizei. Nach über 2 Wochen ist es den Punks bzw. bei Minderjährigen deren Eltern gelungen, Anzeige gegen die rechtsextremen Angreifer zu erstatten. Die Mitarbeiter des Bündnisses berichten über weitere geplante Veranstaltungen.
- 25. Mai 2007: "Rock gegen Rechts III". Bereits im Vorfeld und auch während der Veranstaltung zeigte eine Polizeistreife Präsenz, um Rechtsextreme an der Störung der Veranstaltung zu hindern. Da die bestehende Drohung gegen den Jugendtreff bereits vorab in der Presse öffentlich gemacht wurde, wagten die Rechtsextremen nicht, "den Laden zu stürmen" oder einen "Molli" hereinfliegen zu lassen.
- 29. Mai 2007: Der Kreisjugendring empfiehlt der Gemeinde Illesheim kurzfristig die Schließung eines Jugendtreffs, da Rechtsextreme diesen regelmäßig als Stützpunkt für ihre Treffen nutzten. Die Gemeinde reagiert und sperrt den Jugendraum am 03. Juni 2007.
- 29. Mai 2007: In Bad Windsheim wird ein 39jähriger Mann von Rechtsextremen angegriffen. Zwei örtlich bekannte Rechtsextremisten schlagen ihn nieder, etwa acht weitere sehen zu und grölen nach Aussagen des Opfers "Ausländer raus". Das Opfer hat Anzeige erstattet.
- Anfang Juni 2007: Der Bezirksvorstand der Bayerischen Jungbauernschaft (BJB) schließt die Ortsgruppe Illesheim aus der BJB aus, da diese von rechten Kadern unterwandert wurde und zum großen Teil aus Rechtsextremen bestand. Die Bayerische Jungbauernschaft auf Kreisebene hat nach eigenen Angaben erst sehr spät von der Situation in Illesheim erfahren, distanziert sich aber wie auch die Bezirksführung der Bayerischen Jungbauern deutlich von den Vorfällen in Illesheim. Den Rechtsextremen bleibt der Zugang zum dortigen Jugendraum verwehrt, die Vereinskasse muss abgegeben werden.
- 01. Juni 2007: Die SPD-Kreisvorsitzende Edith Bayersdorfer erhält auf ihrer privaten Mailadresse E-Mails der "Hammer-Skins", einer international vernetzten rechtsextremen Gruppe militanter, organisierter Krimineller.
- 01./02. Juni 2007: Der Bayerische Rundfunk, die Süddeutsche Zeitung, RTL und andere Medien berichten über die jüngsten Vorfälle im Landkreis und werfen mit ihrer Berichterstattung ein Schlaglicht auf die rechtsextremen Strukturen und deren Gewalttaten in der Region. Bündnis-Sprecher Dietmar Leberecht (AWO-Kreisvorsitzender) macht den Vertretern der Presse gegenüber deutlich, dass er die ständige Verharmlosung durch Polizei und einige Politiker keineswegs teilen kann, weil die angeblichen "Einzelfälle" inzwischen so zahlreich sind, dass sich ein deutliches Gesamtbild ergibt.
- 08. Juni 2007: Es wird bekannt, dass knapp außerhalb der Landkreisgrenze in Aschbach (Schlüsselfeld) erneut ein jüdischer Friedhof verwüstet wurde. 49 Grabsteine wurden umgeworfen. Das Muster gleicht der Tat in Diespeck, auch der Täterkreis (17/18jährige Jugendliche) weist auf ähnliche Strukturen hin.
- 16. Juni 2007: Rechtsextreme zeigen sich unverkennbar und ungeniert mitten auf der Neustädter Kirchweih. Kaum jemand scheint sich daran zu stören...
- 17. Juni 2007: Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die rechtsextremen Vorfälle in der Bayerischen Jungbauernschaft Illesheim, u.a. sei dort mehrfach die Reichskriegsflagge gehisst worden, sowie die Friedhofsschändung in Schlüsselfeld.
- 24. Juni 2007: Auf einer Wiese bei Uehlfeld (Gottesgab) treffen sich ca. 70 - 100 Rechtsextreme zu einer "Sonnwendfeier". Wegen einer Schlägerei zwischen den Besuchern, bei der eine 29jährige Teilnehmerin verletzt wird, wird die Polizei gerufen. Die eintreffenden Beamten werden massiv angegriffen, in Sprechchören beleidigt und mit Vorschlaghämmern, Axtstielen... bedroht. Die eingesetzte Polizeistreife ist wehrlos gegen diesen Mob, der versucht, den Einsatz der Polizei zu blockieren. Die Sicherheitskräfte ziehen deshalb 78 Beamte aus der gesamten Region (Mittel-, Ober- und Unterfranken, sowie Spezialeinsatzkräfte) zusammen, stellen die Personalien von 67 Rechtsetxtremen fest und nehmen 3 Personen fest, die jedoch kurz darauf wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Da sich die Teilnehmer der Feier widersetzen, kommt es zu Verletzten auf seiten der Rechtsextremen. Die Beamten stellen bei der Durchsuchung des "Zeltlagers" zahlreiche Schlagwerkzeuge und rechtsextremes Propagandamaterial sicher. Es stellt sich heraus, dass ein ortsansässiger Bauer, der Mitglied der NPD ist, den Rechtsextremen seit mehreren Jahren immer wieder kostenfrei sein Grundstück für derartige Feiern zur Verfügung stellt. Die Nachbarn nahmen dieses Treiben und die rechtsextreme Gesinnung des Grundstückseigentümers widerspruchslos zur Kenntnis. Der Bauer gibt jedoch der Presse gegenüber an, er hätte von einem politischen Hintergrund der Feiern nichts gewusst.
- 27. Juni 2007: CSU-MdL Hans Herold fordert einen "Runden Tisch" gegen Rechtsextremismus - statt sich einfach am bereits seit einem halben Jahr bestehenden "Bündnis gegen Rechts" zu beteiligen. Begründung: "Die ständigen Negativschlagzeilen in den Medien über den Landkreis entwickeln sich zu einer Katastrophe für das Renommee und die Reputation des Landkreises...". [Anm. d. Autorin: Ach, das Renommee und der Ruf des Landkreises sind das Problem und Schuld sind die Medien! Die Nazis an sich wären ja nicht so schlimm...] Das Bündnis lädt Herold jedoch erst nach einem Kommentar der FLZ zu seinem "Runden Tisch" ein. Gleichzeitig verkündet der Bad Windsheimer Bürgermeister Eckardt (Freie Wähler), eine Resolution gegen Rechtsextremismus verfassen zu wollen, weil bereits Kurgäste angekündigt haben, dass sie sich in Bad Windsheim nicht mehr sicher fühlen.
- 27. Juni 2007: Die FLZ berichtet, dass einem "hochrangigen NPD-Funktionär aus dem Raum Nürnberg/Fürth" (rechtliche) Konsequenzen drohen - weil die "Sonnwendfeier" bei Uehlfeld nicht angemeldet und der erforderliche Abstand des Lagerfeuers vom Waldrand nicht eingehalten war!
- 30. Juni 2007: Vertreter des Bündnisses besuchen das Bürgerforum in Gräfenberg bei deren "Open Mind"-Konzert, um die bestehenden Initiativen gegen Rechts besser zu vernetzen.
- 01. Juli 2007: Antenne Bayern führt während des Neustädter Kunst-Marktplatzes Interviews mit Passanten über die rechtsextreme Szene in der Region.
- 05. Juli 2007: Die Polizei initiiert einen "Sicherheitspakt" im Landkreis, da "das subjektive Sicherheitsempfinden nicht mehr mit der tatsächlichen Sicherheitslage" übereinstimme.
- 10. Juli 2007: MdL Hans Herold wendet sich in einem Schreiben an die Sprecher des Bündnisses gegen Rechts und erklärt, dass er seinen "Runden Tisch" gerne mit den Aktivitäten des Bündnisses zusammenschließen möchte und dass er das Bündnis aktiv unterstützen wird. Damit gibt ein prominenter Vertreter der Landkreis-CSU die bisher weitgehend ablehnende Haltung der CSU gegenüber dem Bündnis und den wenig erfolgreichen Versuch des Alleingangs auf.
- 11. Juli 2007: Viertes Treffen des Bündnisses gegen Rechts - ohne Störungen durch Rechtsextremisten. Ein Vertreter des Gräfenberger Bürgerforums berichtet über die dortigen Aktivitäten und Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Die ca. 50 Anwesenden stimmen über den Namen des Bündnisses ab und entscheiden sich mehrheitlich für "Bündnis gegen Rechts". Weiterhin wird die Gründung einer ins Bündnis integrierten, jedoch unabhängig agierenden Jugendgruppe beschlossen, die sich spontan "Jugendbündnis gegen Rechts" nennt. Das Bündnis beschließt die Durchführung von mehreren öffentlichen Infoveranstaltungen im Landkreis und setzt sich für eine Wanderausstellung gegen Rechtsextremismus an den Schulen im Landkreis ein. Der Bayerische Rundfunk sowie die lokale Presse berichten über das Bündnis-Treffen.
- 14. Juli 2007: Die NPD hat 3 Infostände im Landkreis angemeldet (Bad Windsheim, Uehlfeld und Markt Erlbach), wovon jedoch der in Markt Erlbach geplante wegen einer Verkehrsumleitung nicht genehmigt wird. Die beiden anderen Infostände finden statt - in Bad Windsheim mit Mathias Fischer, in Uehlfeld mit Martin Paulus. Bei beiden Infoständen ist auch das Bündnis gegen Rechts präsent sowie zahlreiche weitere demokratische Organisationen, Kirchen und engagierte Bürger, so dass die Rechtsextremen wenig Erfolg bei der Verteilung ihrer Materialien haben. Der Bayerische Rundfunk sowie die lokale Presse berichten.
- 19. Juli 2007: Gründung des "Jugendbündnisses gegen Rechts" als eigene Aktionsplattform der Jugend innerhalb des Bündnisses gegen Rechts.
- 03. - 05. August 2007: "Jugendbündnis gegen Rechts" mit eigenem Stand beim Weinturmfestival in Bad Windsheim vertreten. Das Jugendbündnis sammelt mit großem Erfolg Unterschriften für den "Neustädter Appell sowie für die Kampagne "no npd".
- 18. August 2007: Vertreter des "Jugendbündnisses gegen Rechts" nehmen an den Protesten gegen die NPD-Kundgebung in Gräfenberg teil. Obwohl eindeutig als Ersatzveranstaltung für den verbotenen "Hess-Gedenktag" in Wunsiedel beworben, wurde dieser Aufmarsch der Rechtsextremen nicht verboten. Ein breites Bündnis der Gräfenberger und ihrer Freunde verhindert jedoch die Kundgebung der Nationalisten auf dem Gräfenberger Marktplatz.
(C.Gräßel)

Gerhard Gröner: \"Ich habe die Ehre!\"
